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Teisho / Vorträge:

Textausschnitt aus einem Teisho (Vortrag) zum Thema: Kontrolle des eigenen Geistes

"Eine Koanfrage lautet: "Was ist dein "Urangesicht", bevor dein Vater und deine Mutter geboren wurden?"
Diese
Frage wird in etlichen Koan versteckt gestellt. Wie gelange ich zum Erkennen des eigenen Urangesichtes und was ist das?
Dieses Urangesicht kann man betrachten, wenn man im Zazen "versunken" ist. Es wird sichtbar durch die treibenden Gedanken die nie zur Ruhe kommen wollen. Hier wird die Struktur unseres Geistes deutlich; hier werden die Inhalte unseres Geistes erkennbar für uns. Dies ist unser Urangesicht, seit uranfänglichen Zeiten, also auch seit Zeiten, bevor unser Vater und unsere Mutter geboren wurden. Die auftauchenden Gedanken, die scheinbar nie zur Ruhe kommen wollen, das ist unser Geist, unser Gedächtnis, unser Ichbewusstsein, einfach ausgedrückt unser Ego, das wir seit uranfänglichen Zeiten hegen und pflegen und mit uns herumschleppen wie einen schweren Stein.
Hier, in diesen aufsteigenden Gedanken erkennen wir uns selbst. Hier können wir uns selbst verändern, selbst gestalten uns selbst zum Besseren wenden. Hier findet die Selbstgestaltung des eigenen Geistes statt, durch Zazen.
Wenn ein Gedanke oder eine Aggression oder eine aggressive Erinnerung in unserem Geist auftaucht, dann können wir diesen Bildern Raum geben oder mit einem wirksamen Mantra, z.B.: Om Mani Patme Hum oder Namu Amida Butsu, beseitigen oder austauschen, wobei das Mantra oder Lichtmantra oder die Visualisierung mahayanistischen Ursprungs sind.
Den unheilsamen Gedanken nicht Raum geben und durch Shikantaza, der gedankenfreien hellwachen Aufmerksamkeit, auszustauschen, das ist Selbstgestaltung des eigenen Geistes, das ist ZEN!"

Mir ist bewusst, dass diese kurze Textpassage mehr Fragen aufwirft als beantwortet. Erläuterungen hierzu kann der Zenübende im Dokusan (Gespräch mit dem Meister) erhalten. Ryu Shin, Sensei






Teisho zu Koan Nr. 26 aus der Bi Yän Lu
Hyakujo sitzt auf dem Grossen Erhabenen Gipfel
von Shido Shin, Sensei



Ein Mönch frage Hyakujo: „Was ist das Wunderbarste?“ Jo sagte: „Ich sitze allein auf diesem Großen Erhabenen Gipfel.“ Der Mönch verbeugte sich. Jo schlug ihn.

Meist ist die Grundlage eines Teisho´s ein Koan. Das Koan wird benutzt indem sein Inhalt, oder Ausschnitte davon, dazu beitragen sollen die Essenz des Zen zu vermitteln. Als unser Meister, Rei Shin Bigan Roshi, den Namen für unsere Weilheimer Zendo vergab, nahm er hierfür das Beispiel Nr. 26 aus der Bi Yän Lu, dem Hekigan-Roku, zur Grundlage.
Der Name unserer Zendo ist:
DAI YU HO ZEN KUTZU.
DAI YU HO steht für den Großen Erhabenen Gipfel. KUTZU ist die Höhle, die Erleuchtungshöhle, unterhalb dieses Großen Erhabenen Gipfels. Der größte erhabene Gipfel Deutschlands ist die Zugspitze, die von Weilheim aus gut sichtbar ist und Ausgangspunkt für die Namensvergabe war, da wir hier in Weilheim/Obb. die südlichste Sangha der deutschlandweiten Sanghas unseres Meisters sind.

Meister Bai-Dschang (Hyakujo) wurde gefragt: „Was ist das Wunderbarste? Das allergrößte Wunder?“ „Hier allein auf dem Daiyu-Gipfel sitzen“ das war seine Antwort. Klingt das nicht hochmütig und egoistisch? Immer wieder begegnen wir in den Koantexten Fragen nach dem Wesentlichen, nach der Erleuchtung, nach dem Tod oder nach dem Kern des Lebens. Die Meister antworten jeweils auf ihre eigene Weise und drücken so ihre Verwirklichung aus. Manchmal wird die Antwort sofort verstanden, manchmal nochmals nachgefragt oder es findet sich kein Verständnis, je nach der Beschaffenheit des Fragenden.

Was bedeutet: „Ich allein sitze auf dem großen erhabenen Gipfel?“ oder „Was ist das Wunderbarste?“ Man kann man bei der Suche nach der Lösung in Erwägung ziehen, daß damit nicht zwingend etwas ganz Besonderes gemeint sein muß!

Meister Hyakujo, gest. 814, ist ein Nachfolger des großen Meisters Baso. Nach dessen Tod hielt Hyakujo sich noch lange, zurückgezogen in der Nähe des Grabes seines Meisters auf, während seine Schulgenossen längst in Amt und Würden standen. Als er schließlich doch ein Kloster aufbaute, legte er seine Wirkungsstätte frei nach den Grundsätzen und Bedürfnissen der Zen-Schule an. Während die bisherigen Zen-Meister ihre Tätigkeit in Klöstern der hergebrachten Form ausübten. Nicht nur, daß Hyakujo auf eine besondere Buddhahalle mit Kultbildern und Altären verzichtete und statt dessen die Dharma-Halle, die der Lehrtätigkeit des Meisters diente, in den Mittelpunkt stellte, nein er war es auch, der für dieses, sein Kloster, nun erstmals eine feste Ordnung aufstellte, mit sorgfältig ausgedachten strengen Regeln. Das er selbst in der Einhaltung dieser Regeln mit gutem Beispiel voran ging, sehen wir aus folgender Geschichte: Für Hyakujo war die Arbeit ein fester Bestandteil der klösterlichen Übung. Den Mönchen wurde es mit der Zeit peinlich, den alternden Meister im Feld und Gemüseland an ihrer Seite wie jeden anderen sich abmühen zu sehen. Sie baten ihn, sich doch zu schonen und diese Arbeit ihnen zu überlassen. Der Meister aber beharrte auf dem Grundsatz: "Ein Tag ohne Arbeit, ein Tag ohne Essen". Schließlich versteckten ihm die Schüler sein Gartengerät, so daß er eines Tages gezwungen war, auf die Arbeit zu verzichten. Aber der Meister erwiderte den Zwang mit der Weigerung, Nahrung zu sich zu nehmen, so arbeitete er am nächsten Tag wieder mit ihnen, weil sie ihm die Gartengeräte zurückbrachten.

Meister Hyakujo´s Zen-Verständnis ermöglichte es ihm ein Übungssystem zu schaffen, dessen Rahmen bis heute noch noch Gültigkeit in den Zen-Tempeln hat. Die Einhaltung der Zendoregeln, also die Form, die Übung des Zazen mit den Unterweisungen des Meisters und die Arbeit, darauf stützt sich jede Zenausbildung.

Hyakujo hatte seiner Erkenntnis folgend, den eigenen Weg, jenseits der damaligen Gepflogenheiten, eingeschlagen. Genau dies ist das Wunderbarste. Mit Wundern muß man nicht ins Weite ausschweifen, das höchste Wunder ist die eigene Existenz.

Der Zen-Buddhismus beginnt damit, daß der Mensch sich auf die fundamentale Suche macht, die aus einer ihm innewohnenden Zwangslage entsteht und sich durch einen großen Drang zeigt, den inneren Widerspruch zu lösen. Ohne diese Suche gibt es kein Zen. Der Unterschied zur bloßen Sehnsucht ist die wirkliche Suche nach Harmonie und Erfüllung. Das ist der Anfang auf dem Weg zur Wahrheit.

Im Zen-Buddhismus geht es um das eigene ganz konkrete Leben und Sein.

Wir sind alle herausgefordert den eigenen Weg entsprechend unserer Erkenntnis zu finden.


Erhabener Berg
zeitlos ruhst Du in Dir selbst
ich verneige mich.

(von Rei Shin Bigan Roshi
zur Zendo-Namensvergabe
im Sommer 1995)


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